Prof. Dr. Georg Rose – Medizinische Telematik

Das kranke Gesundheitssystem

Die Kostenexplosion im Gesundheitswesen beschäftigt gleichermaßen alle Betroffenen: Politiker, Krankenkassen, Kassenärztliche Vereinigungen und Bundesärztekammer, wissenschaftliche Fachgesellschaften und nicht zuletzt die Patienten. Als Hauptgründe dafür sind die demographische Entwicklung sowie insbesondere die extrem schnell steigenden diagnostischen und therapeutischen Optionen in allen Bereichen der Medizin zu nennen. Es zeichnet sich bereits jetzt ab, dass nicht alle Patienten Zugang zum gesamten Therapiespektrum werden erhalten können. Triage-Strategien, wie sie in der Notfallversorgung üblich sind, werden Einzug in die tägliche Patientenversorgung halten.

Die moderne Medizin kämpft darüber hinaus mit einem exponentiellen Zuwachs des allgemeinen medizinischen Wissens sowie individueller Patientendaten, bei gleichzeitig unzureichenden Zugriffsmöglichkeiten auf die relevanten Informationen.

Telemedizin

Neben den erforderlichen politischen Reformen in der Gesundheitspolitik verspricht ein flächendeckender Einsatz der medizinischen Telematik („tele": griechisch für fern oder weit, „matik" abgeleitet von Infor-matik), der Kosten- und Qualitätsspirale Einhalt zu gebieten. Der Einsatz der Telemedizin hat das Potenzial, die Verfügbarkeit von hoch spezialisierten Fachärzten überall und jederzeit sicherzustellen. Idealerweise wird die Telemedizin durch intelligente Programme (entscheidungsunterstützende Systeme) begleitet. Diese so genannten Decision-Support-Systeme bieten dem Arzt eine Navigationshilfe durch den Dschungel der Datenflut, der vielfältigen Therapieoptionen sowie der Medikamente und ihrer Wechselwirkungen. Sie nehmen Routinearbeiten ab, führen selbstständig Sicherheits- und Plausibilitätsprüfungen durch, warnen vor gefährlichen Situationen, suchen nach vergleichbaren Patienten in Datenbanken oder bilden das aktuelle medizinische Wissen auf den jeweiligen Patienten ab und stellen es dem Arzt übersichtlich dar.

Technische Fragen

Diese Technologie kann neben einer Verbesserung der Versorgungsqualität auch eine optimale und effiziente Auslastung der Experten sicherstellen. Bevor jedoch ein weiträumiger Einsatz der Telematik zum Tragen kommen kann, gilt es zahlreiche sowohl technische Fragestellungen, wie ausreichende Leistungsfähigkeit der Systeme, Datensicherheit und Datenschutz sowie Standarisierung, als auch politische und juristische Probleme, z.B. Zuständigkeiten, Abrechnungsaspekte oder Kostenträger, zu lösen. Der neue Lehrstuhl „Medizinische Telematik" am Institut für Elektronik, Signalverarbeitung und Kommunikationstechnik der Fakultät für Elektrotechnik und Informationstechnik wird sich zukünftig mit diesen technischen Fragestellungen beschäftigen.

Am 1. Dezember 2005 hat Prof. Dr. rer. nat. Georg Rose hier sein Amt übernommen. Bereits nach dem Studium der Physik mit Nebenfach Elektrotechnik an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf und der Promotion in theoretischer Physik wechselte er an die Universitätsklinik, um sich dort in einem interdisziplinären Team Fragen der Medizintechnik und Gehirnforschung zu widmen. Nach drei Jahren nahm er ein Angebot der Philips-Forschungslaboratorien in Aachen an, um sich innerhalb der industriellen Forschung mit der Medizintechnik zu beschäftigen. Den Schwerpunkt seiner Arbeiten stellte einerseits die Bildgebung im Neuro-Bereich und andererseits die Verbesserung der Schlaganfallversorgung mittels Telemedizin und Decision-Support-Systemen dar. In diesem Rahmen leitete Professor Rose ein internationales Team von Wissenschaftlern und baute Kooperationen mit zahlreichen Universitäten in Deutschland, den USA, Niederlande, Schweden und Großbritannien auf. Georg Rose bringt neben der langjährigen Industrieerfahrung innerhalb eines international führenden Konzerns für medizinische Systeme auch die Fähigkeit mit, fachübergreifende Forschung im internationalen Umfeld zu organisieren. Er plant die zahlreichen Kontakte für seine zukünftige Forschung und Lehre an der Universität in Magdeburg zu nutzen und auszubauen.    sgs