Großer Andrang zu den Kindervorlesungen

Den richtigen Durchblick

Nur wenige Tage hatte es nach der Ankündigung gedauert, und die Kindervorlesungen waren wieder restlos ausgebucht. Im März 2005 drehten sie sich um Trinken und Sehen.

Als die kleinen Studenten den Hörsaal 5 betraten, konnten sie annehmen, in einer verfahrenstechnischen Versuchshalle zu sein, so viele interessante technische Gerätschaften und Experimentieranordnungen erwarteten sie. Prof. Lothar Mörl vom Institut für Apparate- und Umwelttechnik erläuterte ihnen, während die Formel H20 für Wasser eilig über die große Leinwand gallopierte, wie wichtig das Wasser für alle Lebewesen auf der Erde ist und dass es in allen Getränken zu finden ist. Vier Kinder durften Proben verkosten und eine Rangliste des „besten Geschmacks" festlegen. Wen wundert's, Cola machte das Rennen. Erfasst wurde die Liste vom Mathe-Club der Universität. Von ihm erhielt Professor Mörl tatkräftige Unterstützung bei allen Rechenbeispielen. So errechneten sie, wie viel Wasser jedem Menschen auf der Erde zur Verfügung steht – fünf Nautica-Bäder voll sind es, oder wieviele Kühe gebraucht werden, um die anwesenden Kinderstudenten ein Jahr lang mit Milch zu versorgen – sechs Kühe. Da erfuhren die Kinder auch gleich, wie Milch haltbar gemacht wird und Milchpulver entsteht und dass auch Fruchtsäfte getrocknet und damit konzentriert werden können. Als Semesteraufgabe erhielten die Kinder den Auftrag, sich ein Getränk auszudenken. Die erdachten Rezepte sollen vielleicht in einem Kinderkochbuch für Getränke veröffentlicht werden. Und wer noch etwas mehr knobeln wollte, konnte einen Aufgabenbogen mit Fragen zur Verfahrenstechnik und aus der Geometrie mit nach Hause nehmen.

Den totalen Durchblick hatte in der zweiten Vorlesung der Augenarzt an der Universitätsaugenklinik Dr. Christian Vorwerk. Er erläuterte, dass Augen, Gehirn und Nervenverbindungen für das Sehen zuständig sind. Sehr bald war den Kindern ein „Licht aufgegangen", dass jeder Mensch, ob groß oder klein, eigentlich doch zwei kleine „Hochleistungs-Photoapparate" im Gesicht trägt. Mit einer ganz alten Kamera und Willy vom Mathe-Club wurde das Prinzip des Sehens demonstriert – die Pupille wirkt als Blende, die Linse ist das Objektiv, die Sehhaut (Netzhaut) der Film in der Kamera.

Fallen nun Lichtstrahlen durch die Linse des Auges werden sie auf der Sehhaut gebündelt und ein scharfes Bild entsteht. Bei großen Augen, bündelt sich das Licht vor der Sehhaut und bei kleineren Augen dahinter – das ergibt dann Kurzsichtigkeit und Weitsichtigkeit. Beide können durch eine Brille behoben werden. Dann wollte Dr. Vorwerk noch wissen, wer denn wohl der berühmteste Brillenträger sei: Daniel Kübelböck – wie aus dem Auditorium zu vernehmen war – hatte er nicht gemeint, sondern Harry Potter. Und warum die Brille Brille heißt, erfuhren die kleinen Studenten bei der Gelegenheit auch gleich noch. Alte Mönche haben früher einen Halbedelstein – Beryll – auf die Schrift gelegt, um besser sehen zu können. Davon wurde Brille abgeleitet.

Wie wichtig räumliches Sehen ist, für das alle beide Augen gebraucht werden, führten Gregor und Paul vor. Sie versuchten, Wasser aus einer Flasche in ein Glas zu füllen, während eines ihrer Augen mit einer Augenklappe abgedeckt war. Da ging ganz schön was daneben. Zum Abschluss der Vorlesung hatten die Kinder noch ein dreidimensionales Erlebnis. Ausgerüstet mit entsprechenden Brillen konnten sie ins 3D-Fernsehn der Zukunft blicken.    Ines Perl