Japanisch-deutscher Workshop zu elektronisch verfügbaren Texten

Die Sprache und der Computer

Seit vielen Jahren arbeiten Deutschland und Japan auf dem Gebiet der wissenschaftlichen Information und Dokumentation zusammen. Im Abstand von jeweils etwa 18 Monaten trifft sich ein so genanntes I&D-Panel zur wechselseitigen Information über aktuelle Entwicklungen auf diesem Gebiet. Das 19. Deutsch-Japanische I&D-Panel fand Anfang dieses Jahres in Leipzig statt. Im Umfeld des Panels werden jeweils wissenschaftliche Workshops abgehalten. Während das Panel von den zuständigen Ministerien beider Länder organisiert wird, werden die Workshops von Fachwissenschaftlern koordiniert. Seit 2001 ist Prof. Dietmar Rösner von der Fakultät für Informatik der deutsche Koordinator für den Japanisch-Deutschen Workshop über Computerlinguistik. Sein japanischer Partner ist Professor Dr. Jun-ichi Tsujii von der Universität Tokio.

Große Textmenge verarbeiten

Der diesjährige japanisch-deutsche Workshop über Computerlinguistik fand Ende Februar in Dresden statt. Die letzten vorausgegangenen Veranstaltungen dieser Art waren 2003 in Sapporo, 2001 in Goslar und 2000 in Yokohama.

Der Workshop widmete sich wieder aktuellen Themen im Bereich der Computerlinguistik und ihrer Anwendungen. In beiden Delegationen waren Teilnehmer aus Universitäten, aus Forschungsinstituten und aus der Industrie vertreten. Die japanische Delegation umfasste 19 Teilnehmer, die deutsche Delegation zwölf Teilnehmer.

Einen thematischen Schwerpunkt bildeten Vorträge, die sich mit der Verarbeitung großer Mengen elektronisch verfügbarer Texte, so genannter Korpora, befassten. Zu diesem Themenblock zählten mindestens zehn der 26 Workshop-Beiträge. Ein weiterer Schwerpunkt war das Thema „Dialog in Multimediaumgebungen". Der Themenbereich Bio-NLP, das heißt Anwendungen der Verarbeitung natürlicher Sprache im Bereich der Bioinformatik, war ebenfalls vertreten. Zudem gab es noch kleinere thematische Blöcke zu den Themen „Textmining und Information Retrieval", „NLP und E-Education" und zur Verarbeitung von Paraphrasen.

Mit 26 Präsentationen an zwei aufeinander folgenden Tagen war das Programm des Workshops außerordentlich dicht. Das Hotel Schloss Eckberg in Dresden bot dafür eine anregende Umgebung. Der überschaubare Rahmen des Workshops erwies sich als besonders geeignet für Diskussionen und für den Informationsaustausch „am Rande". Zwischen verschiedenen der regelmäßigen Teilnehmer an den japanisch-deutschen Workshops gibt es bilaterale Arbeitskontakte, dazu zählen die Nutzung gemeinsamer Ressourcen oder abgestimmte Betreuung von Doktoranden.

Industrieforschung beteiligt

Prof. Dietmar Rösner: „Beim diesjährigen Workshop war es besonders erfreulich, dass wir einen Beitrag aus der Forschung von DaimlerChrysler gewinnen konnten. Generell wäre es zu wünschen, dass die Beteiligung aus der deutschen Industrieforschung in der Computerlinguistik sich noch intensiviert."

Die Serie der japanisch-deutschen Workshops zur Computerlinguistik soll im Frühjahr 2006 mit einer Veranstaltung im Rahmen des Jahres „Deutschland in Japan" fortgeführt werden.    sgm