Plattdeutscher Vorlesewettbewerb

Das Interesse an der Mundart wecken

Seit mehreren Jahren beschäftigt sich die Arbeitsstelle Niederdeutsch am Institut für Germanistik mit der niederdeutschen Sprache unserer Region. Dabei steht die Frage, inwieweit die niederdeutschen Mundarten im nördlichen Sachsen-Anhalt überhaupt noch gesprochen werden, im Vordergrund. Zwei sprachwissenschaftliche Untersuchungen zeigten, dass Plattdeutsch in unserem Bundesland heute noch von mehr Menschen verwendet wird, als gemeinhin angenommen. Hochburgen des Plattdeutschgebrauchs sind die Börde und die westliche Altmark. Allerdings nimmt die Fähigkeit, Niederdeutsch zu sprechen ab, je jünger die befragten Personen sind.

Bereits zum fünften Mal

Um das Interesse von Kindern und Jugendlichen an der Mundart zu wecken, ihre muttersprachliche Kompetenz zu fördern und die Bedeutung der niederdeutschen Sprache als bewahrenswertes Kulturgut zu verdeutlichen, ist 1995 in Sachsen-Anhalt der Vorlesewettbewerb "Schülerinnen und Schüler lesen Platt" ins Leben gerufen worden. Vordringlich ist hierbei jedoch nicht die Perfektion beim Vorlesen niederdeutscher Geschichten, sondern die Motivierung von Kindern und Jugendlichen, sich mit der angestammten Sprache ihres Lebensraums vertraut zu machen. Dies stellt eine wichtige Möglichkeit der Identitätsfindung dar.

Der landesweite Wettbewerb, der von den Sparkassen des Landes unterstützt und von der Arbeitsstelle Niederdeutsch an unserer Universität in Zusammenarbeit mit dem Landesheimatbund ausgerichtet wird, fand 1999 bereits zum fünften Mal statt. Traditionell steht er unter der Schirmherrschaft des Kultusministers Sachsen-Anhalts. Dieser Jubiläums-Wettstreit lockte so viele Kinder und Jugendliche an wie noch nie. Insgesamt hatten 50 Schulen ihre Teilnahme gemeldet. Die Schulsieger mußten sich zunächst in Regionalausscheiden, die Anfang November stattfanden, beweisen.

Die vorgelesenen niederdeutschen Texte stammten aus der eigens für den Wettbewerb von der Arbeitsstelle Niederdeutsch gestalteten Broschüre oder wurden von Mundartschriftstellern zur Verfügung gestellt. Sieger und Plazierte wurden in drei Altersgruppen ermittelt. Die Gewinner jeder Altersgruppe hatten sich für den Landesausscheid im Dezember 1999 in Magdeburg qualifiziert.

Vor den in der Hauptverwaltung der Stadtsparkasse zahlreich versammelten Zuschauern trugen die Schülerinnen und Schüler ihre selbst gewählten Geschichten vor. Darüber hinaus war ein kurzer Text vorzulesen, der erst zu Beginn der Veranstaltung ausgeteilt wurde. Die Kinder lösten ihre Aufgabe, sehr zur Freude des Publikums, mit Bravour. In der Altersgruppe 3./4. Klasse siegte Karl Bensing von der August-Hermann-Francke-Grundschule Wernigerode, in der Altersgruppe 5./6. Klasse belegte Alexandra Kettern von der Sekundarschule Schönhausen den 1. Platz und Benjamin Behnke von der Sekundarschule Brunau war in der ältesten Gruppe (7. bis 9. Klasse) der beste Vorleser. Die Teilnehmer konnten sich, wie schon in den Regionalausscheiden, über Geld- und Sachpreise freuen, aber auch über das Echo in Funk, Fernsehen und Presse.

Der plattdeutsche Vorlesewettbewerb wird auch in diesem Jahr wieder stattfinden, denn mit den Sparkassen konnte wieder eine Sponsoringvereinbarung geschlossen werden.

Dr. Hans-Jürgen Bader